Buchrezension: Nicht ganz sauber

Nicht ganz sauber

Im zweiten Buch der polnischen Putzfrau „Justyna Polanska“ erweitert sich das Tätigkeitsfeld. Nach dem Erfolg von „Unter deutschen Betten“ wird sie Interviewpartnerin für Zeitungen, spricht im Radio, tritt im Fernsehen auf. Das besondere daran ist, dass sie ihre Anonymität wahren will. Diese Geheimhaltung macht sie zur Bedingung insbesondere für die Fernsehaufnahmen, deren erste in Warschau stattfindet. Sie wird daher als Mütterchen verkleidet und bleibt somit unentdeckt. Neben weiteren Fernsehauftritten geht sie ihrer Putztätigeit nach. Irgendwann passiert das Unausweichliche: Eine nette ältere Dame, Kundin, bei der sie gerade putzt, ruft plötzlich: „Justyna, um Himmels willen, Sie sind im Fernsehen!“. Bei Telefon-Interviews mit Journalisten zeigt sich Justyna schagfertig, witzig, beendet das Interview jedoch schlagartig, wenn sie sich diskriminiert fühlt oder bemerkt, dass jemand ihre Identität aufdecken will.

In vielen kurzweiligen Kapiteln beschreibt sie ihr bewegtes, neues Leben, das in dem Ziel gipfelt, das erste Buch „Unter deutschen Betten“ zu verfilmen. Nicht ganz sauber ist ein genauso herzerfrischendes Buch wie das erste von Justyna Polanska, die ihrem Pseudonym Ehre macht: die gerechte Polin. Sie deckt nicht nur Schwächen und Schattenseiten ihrer Kundinnen und Gesprächspartner auf, sondern singt auch Lobeshymnen auf großzügig, hilfsbereite Menschen. Sie besticht durch ihre Offenheit und Ehrlichkeit. So ist das Buch eins, das von Hand zu Hand wandern sollte und nicht ungelesen unter dem Bett verschwinden dürfte.

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