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Buchrezension: Nicht ganz sauber

Nicht ganz sauber

Im zweiten Buch der polnischen Putzfrau „Justyna Polanska“ erweitert sich das Tätigkeitsfeld. Nach dem Erfolg von „Unter deutschen Betten“ wird sie Interviewpartnerin für Zeitungen, spricht im Radio, tritt im Fernsehen auf. Das besondere daran ist, dass sie ihre Anonymität wahren will. Diese Geheimhaltung macht sie zur Bedingung insbesondere für die Fernsehaufnahmen, deren erste in Warschau stattfindet. Sie wird daher als Mütterchen verkleidet und bleibt somit unentdeckt. Neben weiteren Fernsehauftritten geht sie ihrer Putztätigeit nach. Irgendwann passiert das Unausweichliche: Eine nette ältere Dame, Kundin, bei der sie gerade putzt, ruft plötzlich: „Justyna, um Himmels willen, Sie sind im Fernsehen!“. Bei Telefon-Interviews mit Journalisten zeigt sich Justyna schagfertig, witzig, beendet das Interview jedoch schlagartig, wenn sie sich diskriminiert fühlt oder bemerkt, dass jemand ihre Identität aufdecken will.

In vielen kurzweiligen Kapiteln beschreibt sie ihr bewegtes, neues Leben, das in dem Ziel gipfelt, das erste Buch „Unter deutschen Betten“ zu verfilmen. Nicht ganz sauber ist ein genauso herzerfrischendes Buch wie das erste von Justyna Polanska, die ihrem Pseudonym Ehre macht: die gerechte Polin. Sie deckt nicht nur Schwächen und Schattenseiten ihrer Kundinnen und Gesprächspartner auf, sondern singt auch Lobeshymnen auf großzügig, hilfsbereite Menschen. Sie besticht durch ihre Offenheit und Ehrlichkeit. So ist das Buch eins, das von Hand zu Hand wandern sollte und nicht ungelesen unter dem Bett verschwinden dürfte.

Rezension: Nachts werden wir erwachsen

Nachts werden wir erwachsen

Der Roman „Nachts werden wir erwachsen“, im Original unter dem Titel „Grow Up“ erschienen, ist der vierte Roman des 1992 geborenen Ben Brooks.

Der in drei Teile strukturierte Roman liest sich wie das Tagebuch eines pubertierenden Jugendlichen. Unverblümt und ungefiltert strömen Gedanken, Handlungen und Dialoge aus der Feder. Drogen und Sex sind nicht nur Wunschträume, sondern nach Lust und Laune greifbar. Alkohol und Zigaretten gehören zum alltäglichen Konsum. Die Schule spielt nur am Rand eine Rolle. Ja, die Prüfung, sie muss gemacht werden. Dafür Lernen? – Keine Lust! Gipfel des Romans ist eine ausschweifende Party in einem einsamen Waldhaus. Die gesamte Clique ist beisammen. Nach ihrem Geschmack ein rauschendes Fest.

Eine Internet-Generation ist dabei erwachsen zu werden. Aber was heißt hier erwachsen? Jugendliche, die tun und lassen was sie wollen. Niemand setzt ihnen Grenzen. Da ist viel Ironie im Spiel. Die auf dem Einband versprochene Komik habe ich nicht gefunden, eher Provokation. Ist diese Generation das Erbe der Achtundsechziger? Mag sein. Dennoch gibt es eine andere Seite. Kinder und Jugendliche, die lernbegierig sind, Ausdauer und Fleiß an den Tag legen. Selbsterziehung, das heißt sein Leben selbst in die Hand zu bekommen, selbst gesteckte Ziele zu erreichen, all die Tugenden gibt es noch. Die Menschheit ist vielfältig, trotz Facebook – zum Glück. Ich empfehle als Gegenstück zu diesem Roman die Lektüre von Joey Kellys „Hysterie des Körpers“ .

Buchrezension „Für den Rest des Lebens“

Für den Rest des Lebens

Der jüngste Roman Zeruya Shalevs beginnt mit einer eigenartigen Stimmung: Den Rest des Lebens im Bett liegend und den Tod erwartend – so wird die Titelheldin vorgestellt. Der Blick fällt zurück auf ihre Kindheit im Kibbuz, auf ein traumatisches Erlebnis, nachdem sie sich weigert, laufen zu lernen. Nun vermischen sich Gegenwart und Vergangenheit. Sie versucht, aufzustehen und zum Fenster zu gehen, fühlt sich aber als das kleine Kind, das zu dem See gelangen will, jedoch im Morast versinkt. Ihre beiden erwachsenen Kinder finden sie fast leblos auf dem Fußboden. Sie kommt auf eine Intensivstation.

Die Geschichte der Tochter Dina, des Sohnes Avner wird nach und nach dargestellt. Das ist keine Traumfamilie. Dina erlebt Kühle und wenig Liebe, der Bruder dagegen wird überschüttet mit Zuwendung. Der Vater der beiden ist früh verstorben. Auch die Ehen der Geschwister sind nicht erfreulich. Jeder der Partner bzw. Partnerinnen geht seiner eigenen Wege. Dinas 16 jährige verwöhnte Tochter wird flügge und aufsässig. Das Leben ist nur noch deprimierend.

Eine Wendung zum Positiven ergibt sich, als der Sohn beim Besuch seiner Mutter auf der Intensivstation ein Liebespaar erlebt, das auf anrührende Weise für immer voneinander Abschied nimmt. Der Arzt sagt „Wir können nichts mehr machen“. Danach hat Avner nur noch ein Ziel, die junge Frau wieder zu sehen und sie kennen zu lernen. Er nimmt dafür in kauf, sich eine eigene Wohnung zu suchen, nachdem er schon Zuhause ausgezogen ist und in der Wohnung seiner Mutter lebt. Es kommt zu kurzen, sehr freundschaftlichen Begegnungen der Beiden. Dann ist es aber vorbei.

In Dina erwacht der Wunsch, ein Kind zu adoptieren und groß zu ziehen. Sie möchte ein neues Ziel im Leben haben. Ihr Mann und ihre Freundinnen halten die Idee für verrückt. Ihr Bruder Avner sagt „Ja mach das“. Der Roman endet mit dem Flug Dinas und ihres Mannes nach Sibirien und der Begegnung mit dem Adoptivjungen. Es scheint, als ob ihr Mann sich für den Jungen erwärmen kann. Gleichzeitig kommt die Nachricht, dass die Mutter verstorben ist.

Viele Passagen dieses Romans spielen sich rein im Gedanklichen ab. Dabei vermengen sich oft Vergangenheit und Gegenwart. Auch Zukünftiges wird skizziert und ist bereits zur Realität geworden. Unvermerkt gleiten Gedanken, Handlungen und Dialoge ineinander über. Anfangs macht das Lesen des im Berlin Verlag erschienenen Romans Mühe. Eine Fremde Welt baut sich auf, Israel, allzu intime negative Gedankengänge konfrontieren einen. Dann aber wächst die Spannung und die 520 Seiten nehmen die Leserin zunehmend gefangen. Die Sprache ist auch in der Übersetzung aus dem Hebräischen hervorragend.

Rezension: Sherin und Amar – Die verbotene Liebe einer Paschtunenprinzessin

Sherin und AmarEine junge Afghanin und ein junger Inder verlieben sich, als sie in Dubai eine Schule für Ausländer besuchen. Die Autorin Vered Morgan lässt ihre beiden Protagonisten wechselweise in je eigenen Kapiteln zu Wort kommen. Sie erzählen ihre Lebensgeschichten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können.

Sherin, das Afghanenmädchen, gehört zu einem Clan der Paschtunen. In äußerster Strenge und in einem Netz des islamischen Ehrenkodex ist die aufgewachsen. Amar, Sohn eines Hindu Vaters und einer christlichen Mutter, deren Vater aus Deutschland stammte, genoss ein liebevolles Elternhaus. Toleranz und freiheitliche Erziehung der Kinder waren selbstverständlich.

Die Liebe der beiden Jugendlichen war eigentlich zum Scheitern verurteilt, denn natürlich wurde ihre Zuneigung von Mitschülern und Lehrern bemerkt. Unglücklicherweise erfuhr auch Sherins Cousine davon. Ab dieser Zeit wurde Sherin fast pausenlos überwacht. Ihre Schwester und die vielen Brüder, aber auch die Mutter behandelten sie mit Abscheu und wollten sie mit allen Mitteln von ihrem Liebesverhältnis abbringen. Der Computer, der zum Chatten diente, wurde kassiert, ebenso das Handy. Ein einziges mal schafften es die beiden dank einer Notlüge Sherins, sich Abends am Strand zu treffen und ein paar unglaublich innige, ungestörte Stunden für sich zu haben. Das band sie so fest aneinander, dass selbst das erzwungene Verlassen der Schule und eine Reise Sherins nach Pakistan mit magischer Behandlung eines Mullahs die Liebe der beiden nicht trüben konnte.

Als schließlich die Mutter starb und von ihren Kindern nach Afghanistan überführt wurde, ergab sich durch Mittelsleute für Sherin die Gelegenheit zur Flucht. Das Ende der Geschichte bleibt offen, denn vor dem Clan ist eine junge Afghanin nirgendwo sicher.

Das Buch ist dokumentarisch nach Erzählungen echter Personen mit nur wenig Änderungen geschrieben. Mich hat die Geschichte von Sherin und Amar zutiefst berührt. Dass ein junges Mädchen von seiner Familie so unmenschlich behandelt wird, ist ein Skandal. Frauen, die sich gegen das Patriarchat im Islam wehren, sind sehr starke Frauen. Zu ihnen gehört Sherin. Aber auch der moderne Jugendliche Amar wächst an seiner Liebe, an seinen Zweifeln und Abwegen. Er hat die volle Unterstützung durch sein Elternhaus. Daraus erwächst ihm Kraft und Halt.

Ein wichtiges und ergreifendes Buch.

Rezension: Woran denkst du jetzt?

Woran denkst du jetzt

Woran denkst du jetzt, der Titel des Romans von Gila Lustiger weist schon auf seine Struktur hin: Die Schwestern Lisa und Tanja verbringen einen Abend und eine Nacht miteinander. Ihre Dialoge sind eher von Lustlosigkeit als von schwesterlicher Mitteilsamkeit geprägt. Es gibt wenig Worte, stattdessen viele Gedanken und Erinnerungen. Immer wieder stellt eine der Schwestern konkret die Frage „Woran denkst du jetzt?“. Der Leser wird zum Gedankenleser, während die Fragende kurz und nicht zufriedenstellend abgespeist wird.

Anlass des Zusammentreffens der Schwestern ist der Tod eines Onkels. Nach und nach enthüllen sich dem Leser die verworrenen und zerrütteten Familienverhältnisse der beiden. Die aus gutem Hause stammende Mutter hatte, als die Mädchen noch Kinder waren, eine außereheliche Beziehung. Der Vater verließ die Familie. Für ihn sprang der nun verstorbene Onkel Paul ein, selbst Kinderlos. Er war für die Mädchen der perfekte und innig geliebte Vaterersatz . Viel später stellte sich heraus, dass seine Frau Anne sich mit dem leiblichen Vater der beiden Schwestern liiert hatte.

Onkel Paul erkrankt unheilbar an Krebs und stirbt, nachdem ihn seine Schwester und eine Pflegerin hingebungsvoll umsorgt haben. Auch Lisa ist die letzten Wochen bei ihm, während Tanja, durch Ihre Mehrfachrolle als Karrierefrau, Ehefrau und Mutter, keine Zeit hat. Im Lauf der gemeinsamen Nacht wird das Gespräch zunehmend wortreicher. Ihre sehr unterschiedlichen Lebensläufe und Weltsichten kommen zur Sprache. Doch das letzte „Woran denkst du jetzt?“ wird nicht mehr beantwortet. Das Buch schließt mit einem Erinnerungsbild Lisas, das von großer Liebe zu ihrem verstorbenen Onkel geprägt ist.

Die Thematik des Romans ist sehr persönlich und für jeden Menschen irgendwann einmal aktuell: Das Sterben eines nahen Verwandten. Wie die Romanfiguren damit umgehen, ist jedoch ziemlich banal. Sie sind geschockt, wollen es nicht wahr haben. Immerhin rufen die Schwestern schönste Kindheitserinnerungen mit dem Verstorbenen in sich wach. Aber auch seine Ecken und Kanten werden ihnen bewusst. Letztendlich finden sie auch durch seinen Tod nicht zueinander.

In dem Buch wird meiner Meinung nach zu viel alltägliches gesprochen und gedacht. Streckenweise war ich eher peinlich berührt, denn neugierig auf den Fortgang der Geschichte.

Rezension: „Die Reisetagebücher des Johannes Kastner“

Wer den Buchtitel liest: Die Reisetagebücher des Johannes Kastner, denkt unwillkürlich an umfangreiche Werke à la Mark Twain oder Sven Hedin. Jedoch – dieses Buch ist so klein wie skurril. Es passt genau in die Innentasche jeder Jacke. Geschrieben hat es Uli Ganter, der durch seltsame Kochbücher und merkwürdige Kalender bekannt geworden ist und in Pforzheim der Chef des Ganter Verlages ist. In dem ist auch das Büchlein erschienen.

Johannes Kastner also reist mit Begleiterin (einen Namen scheint die Dame nicht zu haben) für ein paar Tage nach Gran Canaria. Dabei beobachtet er natürlich seine All-Inclusive Mitreisenden. Mit Sarkasmus, Frivolität, trockenem Humor und jeder Menge Wortspielereien.

Während er sich auf der gepriesenen Insel umschaut, erinnert er sich an frühere Reisen nach Lourdes, Madeira, auch „Mad Area“ genannt, nach Teneriffa und La Palma. „Krank Canaria“, „Gran Malaria“ und „Monte Bronte“ heißen die Orte bei ihm. Mit letzterem sind die Waldbrände auf Madeira gemeint.

Die eingestreuten Schwarz-Weiß-Fotos sind eher gesellschaftskritisch als malerisch zu verstehen. Er entdeckt Absonderlichkeiten: In zwei nebeneinander liegenden Schaufenstern Mülleimer in jeder Größe, daneben Marienfiguren. Hinter einer Hotelbauruine ist eine Müllhalde angelegt. Hübsch ist auch ein Hinweisschild: „Bitte während der Heiligen Messe besuchen Sie nicht die Kirche herum.“ Wohl dem, der das versteht.

Ein echter Lichtblick auf Gran Canaria ist eine Geburtstagsgesellschaft, in die Kastner zufällig hineingerät. Er sowie Begleiterin werden wie Familienangehörige freudig begrüßt und eingeladen, es fließt der Wein, es wird getanzt und geküsst. So schön kann es sein auf Gran Canaria; nix mehr mit „Krank-Canaria“.

Das Büchlein trifft vermutlich nicht jedermanns Geschmack, aber manchem gefällt es ganz sicher.

Rezension: Echtleben

Echtleben

Echtleben. Eine nicht mehr ganz junge Journalistin beschreibt in diesem Buch ihr Leben in Berlin 2010.

Es gibt in der Arbeitswelt selten feste Anstellungen, nur noch befristete Jobs. Was ist, wenn nach Beendigung eines Vertrags keine Verlängerung, kein neuer Job in Aussicht steht? Abrutschen in „Prekariat“. Dieses Wort gibt es noch nicht lange. Die Autorin beschreibt ihren Gemütszustand in dieser Situation sehr ausführlich. Wie sie versucht, es niemand merken zu lassen, die Erniedrigung auf dem Amt, die Unmöglichkeit mit Hartz IV auszukommen, ohne Aussicht wieder ein normales Leben zu führen. Das Buch ist vielgestaltig, da sie in fast allen Gesellschaftsschichten Einblick hat und im Buch die Lebenskonzepte ihrer befreundeten Paare beschreibt. Statt erhoffter Selbstverwirklichung findet sie Funktionieren zu müssen. Jeglicher Optimismus weicht Resignation. Sie selbst schafft es dann aber doch, bekommt eine lukrative Führungsposition in Hamburg. Und so stellt sich sich ihr Echtleben vor: zum 40. Geburtstag lädt sie hundert Freunde ein, genießt das Leben im Hier und Jetzt, macht sich keine Sorgen um die Zukunft mehr.

Das Buch von Katja Kullmann ist in einem schwungvollem Erzählstil geschrieben. Anfangs verwirren die vielen kleinen Schauplätze und Gedankengänge. Spannend sind die Beschreibungen der Gefühle während der Zeit der Arbeitslosigkeit. Erstaunlich die lange Literaturliste im Anhang, sie lässt auf gründliche Vorarbeit schließen. Ein sehr lesenswertes Buch.

Rezension: Eine fantastische Reise ins Land der Tiere

Eine fantastische Reise ins Land der Tiere hat der Pforzheimer Franz Hoeß verfasst. Seit der Vorstellung bei der Leipziger Buchmesse erfreut sich der etwas mehr als 300 Seiten starke Band eines großen Interesses, wie der Verlag Printsystem aus Heimsheim mitteilt.Eine fantastische Reise ins Land der Tiere

Mit dem Verschwinden des Kätzchens Lissi und einem missglückten Wettlauf beginnt die Geschichte. Eine wichtige Rolle spielt der Wanderzirkus, insbesondere die zugehörige Fee und Zauberin Ariane von den Sternen. Sie hat alle Fäden des Geschehens in der Hand und weist den beiden Kindern, Frieda und Nico, den Weg, wie sie Nicos Kätzchen wiederfinden können. Viele Aufgaben und Gefahren werden unterwegs auf sie warten. Jedes der Kinder beginnt die Reise für sich allein, unabhängig vom anderen. Rätsel müssen gelöst, ein Zimmer, ganz mit Schokolade ausgestattet, muss durchquert werden. Aufregend ist das Betreten eines gläsernen Gartens. Frieda kann mit Arianes Anweisungen den Bann, der auf dem Garten liegt, lösen. Der Rabe Kuno, vorher auch zu Glas verzaubert, stellt sich Frieda für die weiteren Wegstrecken zur Verfügung. Sie betreten Zwergenland. Frieda wird als Befreierin des Gartens überschwänglich gefeiert. Aber sie muss weiter, um Nicos Kätzchen zu finden. Mit dem Zwergenzug fährt sie los und trifft bei einer Haltestation auf Nico. Nico musste dieselben Aufgaben wie Frieda bewältigen, jedoch begab sich bei ihm alles anders und aufregender. Das gemeinsame Ziel der beiden ist nun Hortheim. Hier kommt viel Lokalkolorit in die Geschichte, denn Hortheim ist der Fantasiename für Pforzheim. Die Innenstadt wird genau beschrieben, ebenso die drei zusammenfließenden Flüsse. Die Bewohner stellen Schmuck her und handeln damit; für Pforzheim-Kenner ein Grund zum Schmunzeln. Das Land der Tiere indes ist noch weit. Die Kinder dürfen auf Ponys reiten, treue Begleiter sind Rabe Kuno und die Elfe Marsine. Sie müssen zum Meer. Schließlich erreichen sie das Fischerdorf Eintracht, der Dorfvorsteher kennt auch das Land der Tiere. Es ist eine Insel im Meer, die nur hin und wieder auftaucht. Ein Fischer bringt sie hinüber. Eine hohe Mauer versperrt ihnen den Eintritt. Erst als wieder ein Rätsel gelöst ist, können sie sie überwinden. Aber kein Tier ist in der verwunschenen Wildnis zu sehen. Ariane teilt ihnen mit, dass die Katze einen neuen Namen hat, den sie als Kombination aller Anfangsbuchstaben der bisherigen Rätsellösungen finden müssen. Jetzt erscheint das Tierchen auch wirklich und wird freudevoll empfangen. Auf einer Sternenbarke führt Ariane die kleine Gesellschaft zurück. Hier endet die fantastische Reise. Frieda kehrt in die Realität zurück; die Mutter weckt sie. Frieda weiss lange nicht: War alles ein Traum? Die Rahmenhandlung endet mit dem Besuch im Zirkus, wo Frieda alle Figuren, denen sie auf ihrer Reise begegnet war, wieder entdeckt.

In der vorliegenden Geschichte vermengen sich Traum und Wirklichkeit auf das Innigste, was sehr reizvoll ist. Spannend sind die Erlebnisse von Nico, bei dem nichts so glatt geht, wie bei seiner Freundin. Einige Komik ergibt sich bei Namen, die Ähnlichkeit mit bekannten Institutionen haben, zum Beispiel der Fussballverein „Gayern Hündchen“, oder der Stadtteil „Hötzingen“ im Westen von Hortheim. Insgesamt eine unterhaltsame Reise- und Urlaubslektüre, wenn auch manche Passagen, wie die Beschreibung von Alltagsgegenständen bei den Zwergen, etwas ausgedehnt sind.

Buchrezension: “Mondlichtzauber”

Das Büchlein Mondlichtzauber, Geschichten um Mitternacht, von Kirsten Klein mit Fotos von Olaf Schulze, birgt zehn Geschichten über markante Grabstätten des Pforzheimer Hauptfriedhofs. Stimmungsvolle schwarz-weiß Fotos inspirieren die Fantasie zu den spannenden Erzählungen. Die Fabulierlust der Autorin weckt den Wunsch, die realen Plätze des Geschehens selbst auf zu suchen.

Es sind teils grausame, teils romantische oder melancholische Abläufe, die diese besonderen Grabmäler lebendig werden lassen. So zum Beispiel die Geschichte einer Dreiecksbeziehung, bei der sich zwei Frauen am Grab des geliebten Mannes voller Eifersucht und Hass begegnen. Der große Marmorengel nahe beim Grab bricht schließlich über ihnen zusammen und erschlägt beide. Oder die Geschichte vom Mädchen Malou, das auf der Suche nach dem Grab ihrer Mutter einen kleinen Jungen trifft, der sie um rote Rose aus ihrem Strauß bittet. Tage später entdeckt sie ein dunkles Familiengrab, in dessen Mitte der kleine Junge, aus hellem Marmor gestaltet, kniet. Realität und Fantasie vermengen sich: Ein zauberhaftes Büchlein.

Buchrezension: “Der Wintergast”

Der WintergartenSchweiz. Eng, verschachtelt, heimatverbundene Menschen. Der Roman Der Wintergast von Elisabeth Binder handelt von einem aufstrebenden Kunststudenten aus der Stadt, der den Winter in einem abgeschiedenen Schweizer Bergdorf verbringen möchte um über seine Kunst nachzudenken. Doch die interessiert ihn zunächst gar nicht. Denn er ist nicht der einzige Gast in dem herrschaftlichen Palazzo: Ein kranker Adler wurde von der schönen Pfarrerin Maddalena zur Pflege abgegeben. Der Raubvogel und die Frau ziehen ihn gleichermaßen in ihren Bann. Als an Weihnachten auch noch ein Kind verschwindet, wird Andreas unvermittelt Teil einer Gemeinschaft, die ihm zu Beginn völlig fremd erschien.

Der Roman erscheint wie ein Drehbuch mit vielen Filmschnitten, Themen, Charaktere werden kurz angedeutet – Schnitt. Nächste Kurzszene. Höhepunkt ist das Verschwinden und Wiederfinden eines kleinen Mädchens. Danach geht die Autorin etwas mehr in die Tiefe und beleuchtet die Gefühle der Menschen. Immer wieder stehen jedoch Naturbeschreibungen im Vordergrund: Die unvergleichliche Bergwelt mit allem was in ihr lebt. Etwas naiv wirkt die Darstellung des Berggeists, eher eine Randerscheinung. Der Wintergast selbst, ein junger Stipendiat der Bildenden Kunst, der sich aus der Stadt ins ländliche Idyll flüchtet, findet wieder Erwarten zu sich selbst. Eine Liebesgeschichte mit Maddalena hätte sich ergeben können: Aber nein, jeder Protagonist bleibt wie er oder sie ist. Nur der junge Künstler hat einen Entwicklungsschritt vollzogen und verlässt am Ende des Buches das Dorf um seine Karriere zu beginnen. Alles in allem keine Geschichte die mich vom Hocker gerissen hat.